Logo ChemieFreunde Erkner e.V. Julius Rütgers und historische Teile seines Werks in Erkner Das berühmte Hitze-Druck-Patent Baekelands - die Geburtsurkunde des Kunststoff-Zeitalters - eine der Grundlagen moderner Technik Leo Hendrik Baekeland und sein Bakelizer
Freundeskreises Chemie-Museum Erkner e. V. Freundeskreises Chemie-Museum Erkner e. V. Freundeskreises Chemie-Museum Erkner e. V.

Chemie-Geschichte

Runge, Friedlieb Ferdinand

Kurzbiografie

Chemiker, Mediziner
08.02.1794 (Billwärder/Hamburg) - 25.03.1867 (Oranienburg)
Wirkungsort: Berlin, Breslau, Oranienburg

F. F. Runge erkannte die pupillenerweiternde Wirkung von Atropin (Bilsenkrautextrakt) und entdeckte das Koffein (1820), das Chinin (1819) sowie das Purpurin (1822).
In Oranienburg beschäftigte er sich mit dem Abfallprodukt Teer, aus dem er 1834 nach Destillationsversuchen Karbolsäure (Phenol) sowie Anilin und Chinolin, Ausgangssubstanzen zur Synthese organischer Farbstoffe, gewann. Teerfirnis und nichtrußende Stearinkerzen aus Palmwachs (1835) wurden von ihm entwickelt.
Weitere Erfindungen sind haltbare Tinte, Oranienburger Kernseife und eine Keramikglasur für Öfen.

F. F. Runge studierte nach einer Apothekerlehre in Lübeck Medizin und Chemie in Jena und Berlin, bevor er 1828 an die Universität Breslau ging. Runge promovierte auf phytochemischem Gebiet über Atropin (Belladonna) zum Dr. med. (1819) und über Indigo zum Dr. phil. (1822).

1832 wurde er chemischer Leiter der Chemischen Produktenfabrik zu Oranienburg.

Quelle: Chemiker von A-Z ...
Mit freundlicher Genehmigung der Herausgeber: Arbeitgerberverband Nord­chemie e.V. und Verband der Chemischen Industrie e.V., Landesverband Nordost


Sie sind herzlich eingeladen mitzuwirken. Haben Sie Ideen zur Erweiterung oder Änderung unserer Sammlungen oder Forschungen? Dann lassen Sie uns das wissen. Nutzen Sie z. B. unser Diskussions-Forum oder eine unserer Veranstaltungen. Oder schicken Sie uns einfach eine E-Mail.

Biografische Notizen

  • 1794 (08.02.) Friedlieb Ferdinand Runge wird als drittes von sieben Kindern des Pastors Johann Gerhardt Runge und dessen Ehefrau Catharina Eliesabeth, geb. Heins, in Billwärder bei Hamburg geboren
  • aus finanziellen Gründen besucht er nur die Elementarschule
  • 1810-16 Apothekerlehrling in Lübeck in der Ratsapotheke seines Onkels und der Löwen-Apotheke; beobachtet bei eigenen Experimenten u.a. die pupillenerweiternde Wirkung des Bilsenkrautsaftes
  • 1816-22 Studium an den Universitäten Berlin, Göttingen und Jena, zunächst Medizin - in Göttingen u.a. bei Friedrich Stromeyer (1776-1835), der eines der ersten Unterrichtslabore in Deutschland eingerichtet hatte -, dann an der Universität Jena Chemie
  • 1819 Promotion über Atropin (Belladonna) zum Dr. med. in Jena
  • 1819 R. wird in Jena Goethe vorgestellt, auf dessen Empfehlung er Kaffeebohnen untersucht
  • 1819 entdeckt Coffein und Chinin, das er aus der "Chinarinde" isoliert
  • 1820 Wechsel nach Berlin, weitere Studien zur Pflanzenchemie
  • 1822 Entdeckung des Krapp-Purpur (Purpurin)
  • 1822 Promotion zum Doktor der Philosophie über das wirtschaftlich bedeutende Indigo an der Berliner Universität, anschließend Privatdozent, große Zuhörerschaft durch allgemeinverständliche Vorlesungen zu Pflanzenchemie und technische Chemie
  • 1823-26 Studienreise (Frankreich, Schweiz, England, Niederlande), wobei er in Paris Justus Liebig und Alexander v. Humboldt kennenlernt, durch deren Empfehlung ihm die Besichtigung chemischer Fabriken in England ermöglicht wird
  • 1826 Privatdozent in Breslau
  • 1828 außerordentlicher Professor für Technologie an der Universität Breslau - u.a. Pionierarbeiten zur Chromatographie (Methode zur Zerlegung von chemischen Gemischen in ihre Bestandteile)
  • 1832 beendet Universitätslaufbahn und wird in Oranienburg Industriechemiker und technischer Direktor im Chemischen Etablissement Dr. Hempel, der später staatlichen Chemischen Produkten-Fabrik Oranienburg, die in einem Seitenflügel des Oranienburger Schlosses untergebracht war, wo ihm seine wichtigsten Entdeckungen gelangen, u.a.:
  • 1833 Entdeckung von Phenol (von ihm "Carbolsäure" genannt, dessen antiseptische Wirkung er bereits herausfand) und Anilin (welches er "Kyanol" nennt) bei der systematischen Untersuchung des Steinkohlenteers, das als Abfallprodukt bei der Produktion von Leuchtgas in Gasanstalten anfiel
    • aus dem Phenol gewinnt er Rosolsäure (Aurin) und aus Anilin das Anilinschwarz, die ersten synthetischen Teerfarbstoffe
    • die von Runge erkannten Einsatzmöglichkeiten werden durch Fehlentscheidung des kaufmännischen Leiters der Firma Cochius verhindert
    • erst der Hofmann-Schüler W. Perkin kann ab 1856 den Siegeszug der Teer- oder Anilinfarben einleiten
  • 1834 Runges Buch "Farbenchemie, die Kunst zu färben gegründet auf das chemische Verhalten der Baumwollfaser zu den Salzen und Säuren, Lehrbuch der praktischen Baumwollfärberei" erscheint (wird der 1. von 3 Teilen seiner "Farbchemie")
  • 1842 "Die Kunst zu drucken" (2. Teil)
  • 1850 "Die Kunst der Farbenbereitung" (3. Teil)
  • 1850 "Zur Farbenchemie, Musterbilder für Freunde des Schönen und zum Gebrauch für Zeichner, Maler, Verzierer und Zeugdrucker" (mit beigelegten Originalproben) - die erste bekannte Veröffentlichung zur Papierchromatographie
  • 1850 Cochius kauft die Firma vom Staat
  • 1852 Runge wird von Cochius entlassen
  • 1862 auf Vorschlag von A. W. v. Hofmann wird Runge für seine Pionierleistung in der Farbenchemie die Verdienstmedaille der Londoner Weltausstellung verliehen
     
  • 1867 am 25.03. stirbt Runge im Alter von 73 Jahren in ärmlichen Verhältnissen und fast vergessen in Oranienburg
nach oben

Quellen (genutzt)

Literatur (Auswahl)

  • Runge, Friedlieb Ferdinand: Neueste phytochemische Entdeckungen zur Begründung einer wissenschaftlichen Phytochemie, 2 Bde., Berlin 1820/21.
  • Runge, F. F.: Grundlagen der Chemie für Jedermann, Breslau 1830.
  • Runge, F. F.: Über einige Produkte der Steinkohlendestillation, in: Annalen der Physik 31, 1834, S. 65-77, 513-24, 32, 1834, S. 308-32.
  • Runge, F. F.: Einleitung in die technische Chemie für Jedermann, Berlin 1836.
  • Runge, F. F.: Chemisch-technische Monographie des Krapps, Berlin 1845.
  • Runge, F. F.: Grundriß der Chemie, 2 Bde., München 1846.
  • Runge, F. F.: Der Bildungstrieb der Stoffe in gewachsenen Bildern, Oranienburg 1855
  • Runge, F. F.: Hauswirtschaftliche Briefe, Berlin 1866.
     
  • Anft, Bertold: Friedlieb Ferdinand Runge, sein Leben und sein Werk, Nendeln/Liechtenstein 1977.
  • Cura, Katrin: Bunte Welt aus stinkender Masse, in: Praxis der Naturwissenschaften: Chemie in der Schule. Jg. 60 (2011), Nr. 6, S. 29-32.
  • Götz, Dorothea (Hrsg.): Selbstorganisation chemischer Strukturen. Arbeiten von Friedlieb Ferdinand Runge, Raphael Eduard Liesegang, Boris Pavlovich Belousov und Anatol Markovich Zhabotinsky, Leipzig 1987.
  • Niedobitek, Christa; Niedobitek, Fred: Friedlieb Ferdinand Runge. Sein Leben, sein Werk und die Chemische Produkten-Fabrik in Oranienburg, Lage 2011.
nach oben

Interessante Links


Lesen Sie weiter:

Link Biografische Notizen
Link Quellen + Literatur
Link Interessante Links
 
Link Chemie in Berlin und Brandenburg
   


Runge, Friedlieb Ferdinand
(1794-1867)

       
   
zurückzurück   nach oben nach oben   
 
       
 

 
© ChemieFreunde Erkner e. V.
 
Diese Seite wurde erstellt am 20.01.2007