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Chemie-Geschichte

Kraemer, Gustav
(auch Krämer)

Kurzbiografie

Chemiker
01.06.1842 (Halberstadt) - 09.02.1915 (Berlin)
Wirkungsorte: Berlin, Erkner

Nach seiner Apothekerlehre gehörte Gustav Kraemer (1842-1915) zu den ersten Assistenten von A.W. Hofmann in dessen neuen Universitätsla­boratorium in Berlin, das schnell zu einer Kaderschmiede der chemischen Lehre, Forschung und Industrie wurde. Dieses Netzwerk begleitete ihn auch auf seinem Weg in der Wirtschaft.

Nach einigen Jahren bei Kahlbaum trat er 1880 in die Firma von Julius Rütgers ein und wurde nach kürzester Zeit dessen engster Vertrauter und für fast 25 Jahre Direktor der neu gegründeten „Chemischen Fabriks-Aktiengesellschaft“, in der Rütgers seine Chemieproduktion ausgliederte und zusammenfasste, um sich selbst auf das Imprägnier-Geschäft konzentrieren zu können. Unter Krämer wurde diese AG zu einem Spezialisten für die Teer- und Erdölverarbeitung mit Werken von Bayern bis Mecklenburg und eigenem Forschungs­labor in Erkner. Kraemer und seinen Mitarbeitern gelangen zahlreiche Entdeckungen in der produktions­begleitenden und auch Grundlagenforschung (u.a. Inden und Cumaron), diverse, teilweise bis heute genutzte Verfahren wurden entwickelt. Fachartikel aus dem „Laboratorium der Theerpro­ductenfabrik Erkner“ waren vielzitierte Standards in der Literatur, speziell der Steinkohlenchemie.

Neben seiner Tätigkeit in Industrie und Forschung kennzeichnet Kraemer ein breites bürgerliches Engagement: In Fachverbänden der Chemiker und Industrie, über Kirche und Gemeindevertretung bis zur Armenkommission und Hilfe für Unfallopfer sowie Arbeitsschutz in der Berufsgenossenschaft, zumeist auch in leitender Funktion. (FR)


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Biografische Notizen

  • 1842 - am 1. Juni als jüngster Sohn des Lehrers Wilhelm K. zu Halberstadt geboren, Mutter früh verstorben
  • Besuch der Realschule I. Ordnung in Halberstadt
  • Apothekerlehre in Aschersleben - bei Ernst Gottfried Hornung (1795-1862) - und Havelberg
  • nach bestandener Prüfung als Gehilfe nach Berlin in die Apotheke "Schwarzer Adler" von Blume in der Königstr. 51
  • ab 1866 - Studium an der Bergakademie in Berlin
  • 1866 - Feldapotheker im Krieg mit Österreich
  • 1867 - Privatassistent in August Wilhelm Hofmanns
  • Laboratorium, Cantianstr. 4, u.a. mit Martius und Mendelssohn
  • 1867/68 - Gründungsmitglied der Deutschen Chemischen Gesellschaft zu Berlin, mehrfach Vorstandsmitglied
  • 1868 - Assistent Hofmanns im neuen Universitätslaboratorium in der Georgenstr. 34-36
  • 1870 - Promotion bei A.W. Hofmann mit "De aethani derivatis dichloratis et dihydroxylatis"
  • 1870/71 - Feldapotheker im Krieg mit Frankreich
  • 1870-80 - richtet für die Chemische Fabrik C. A. F. Kahlbaum eine Fabrik zur Verwertung der Nebenprodukte der Alkohol-Reinigung in einer früheren Zuckerraffinerie in der Schlesischen Str./Ecke Cuvrystr. ein, die er bis 1880 leitet
  • 1871 - Hochzeit mit Anna Nöldechen, sie bekommen je 3 Töchter und Söhne
  • seit 1870er - Mitglied der Armenkommission von Berlin
  • 1880 - Anstellung bei der Fa. Julius Rütgers, Berlin
  • ab 1881 - Direktor der von Rütgers neu gegründeten Chemischen Fabriks-Aktiengesellschaft Hamburg, Sitz der Generalvertretung in Berlin, Flottwellstr. 1, später 7), u.a. mit den bisher zur Fa. Rütgers gehörenden Teerproduktionsfa­briken Erkner, Niederau (b. Dresden) und Pasing (B. München) sowie der Erdöldestillation Grabow (Mecklenb.)
  • 1885 - Mitglied Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie seit ihrer Gründung, später Vorsitz
  • seit Mitte 1880er - Mitglied des Vereins zur Beförderung des Gewerbefleißes
  • 1890 - Kraemer und Adolf Spilker beschreiben die Gewinnung von Inden und Cumaron aus Steinkohlenteer und die Inden-Cumaron-Harze, die bei der Behandlung der beiden Kohlenwasserstoffe mit Schwefelsäure entstehen, damit die ersten vollsynthetischen Kunstharze mit einem thermoplasti­schen Verhalten (Koßmehl)
  • ab 1894 - Freundschaft mit Emil Fischer, der seit 1894 ein Haus in Kraemers Nähe am kleinen Wannsee hat
  • 1897 - Umwandlung der Chemischen Fabriks-Aktiengesellschaft Hamburg in die AG für für Theer- und Erdölindustrie in Berlin, Flottwellstr. 7
  • 1898-1907 - Vorsitzender der Berufsgenossenschaft Berlin
  • 1900 - anlässlich der feierlichen Eröffnung des Hofmann-Hauses am 20.10. wird im Namen des Kaisers der "Titel Professor dem Director der Actien-Gesellschaft für Theerölfabri­kation Dr. G. Kraemer" (Berichte der DChG, 1901 Band I, S. XX) verliehen
  • 1901 - Gründung d. Königlichen Versuchs- und Prüfungsanstalt für Wasserversorgung und Abwässerbeseitigung, Kraemer war Mitinitiator
  • 1901 - entdeckt mit Richard Weißgerber Diphenylenoxid und Dioxydiphenyl in den Teeren
  • 1902 - "Mit seinen Untersuchungen über das Erdwachs und das Wachs von Algen wies er 1902 entgegen Englers Hypothese die Entstehung des Erdöls aus Algen, das heißt aus Pflanzen nach." (Schäfer, NDB)
  • 1903-1915 - als Nachfolger von J. Rütgers Vorsitzender des Vorstandes der Berufsgenossenschaft
  • 1903 - nichtständiges Mitglied des Reichsversicherungsamtes
  • 1904 - Rücktritt von den Rütgerswerken
  • 1912 - anlässlich seines 70. Geburtstags Ehrenmitglied des Vereins zur Beförderung des Gewerbefleißes
  • 1915 - Goldene Denkmünze des Vereins zur Beförderung des Gewerbefleißes verliehen - wenige Tage vor seinem Tode
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Quellen

  • Bannow, Adolph: Gustav Kraemer, in: Berichte 49, 1916, S. 445-467
  • Berichte der Deutschen chemischen Gesellschaft 1868 ff.
  • Engel, Michael: Die C.A.F. Kahlbaum Chemische Fabrik in der Schlesischen Straße zwischen 1870 und 1890, in: Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte, Bd. 27, 1976, S. 61 ff.
  • Engel, Michael; Engel, Brita: Chemie und Chemiker in Berlin. Die Ära von August Wilhelm von Hofmann 1865-1892. Berlin: Verlag für Wissenschafts- und Regionalgeschichte 1992
  • Ihlder, H.: Dr. Adolf Spilker zum 70. Geburtstag. Zugleich ein Beitrag zur Geschichte der Technologie des Steinkohlenteeres, in: Angewandte Chemie 46, 1933, Nr. 27, S. 457-459
  • Kraemer, Gustav: Adolf Pinner, in: Berichte 42, 1909, S. 4989-4991
  • Koßmehl, Gerhard: Bakelit erobert die Welt - Kunststoffe, in: Kunststoffe 1/2010, Carl Hanser Verlag, München, S. 210
  • Schäfer, Hans-Georg: Kraemer, Gustav, in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 637 (Onlinefassung)
  • Woesch, Kurt: Emil Fischer, sein Leben und sein Werk, in: Berichte 54, 1923, Sonderheft

Literatur

  • Braun, P.: Gustav Kraemer, in: Deutsche Apotheker-Biographie I, 1975

    Werke (Auswahl):
  • Kraemer, Gustav: Ueber krystallisirte Phosphorsäure, in: Berichte 2, 1869, S. 310
  • Kraemer, Gustav u. Pinner, Adolph: Ueber die Destillationsproducte des Rohspiritus, in: Berichte 2, 1869, S. 401 ff.
  • Kraemer, Gustav: De aethani derivatis dichloratis et dihydroxylatis, Berlin 1870 (phil. Diss.)
  • Kraemer, Gustav u. Böttcher, W.: Ueber die Beziehungen des Erdöls zu den Kohlenwasserstoffen der Braun- und Steinkohlentheeröle, in: Berichte 20, 1887, S. 595 ff.
  • Kraemer, Gustav u. Spilker, Adolf: Ueber das Cumaron im Steinkohlentheer, in: Berichte 23, 1890, S. 78 ff.
  • Kraemer, Gustav, u. Spilker, Adolf: Das Algenwachs und sein Zusammenhang mit dem Erdöl, in:Berichte 35, 1902, S. 1212 ff.
  • Kraemer, Gustav: Die Bedeutung des Petroleummonopols für die chemische Industrie, Chemiker-Zeitung 37, 1913, S. 25-27
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Interessante Links

  • Zu Kraemers Ausbildungs-Apothekern/Apotheken:

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Diese Seite wurde erstellt am 2.06.2007